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Loslassen · 29. Oktober 2026 · 2 Min. Lesezeit

Nicht jeder Mensch, den du verlierst, ist ein Verlust

Es braucht Mut, eine Brücke zu verlassen, in die wir so viel von uns hineingebaut haben.

Nicht jeder Mensch, den du verlierst, ist ein Verlust

Wir verbringen Jahre damit, eine Brücke zu reparieren, über die längst niemand mehr zu uns zurückkommt.

Wir ersetzen morsche Bretter durch Hoffnung. Spannen Seile aus Erinnerungen und glauben, dass zwei Menschen nur fest genug aneinander festhalten müssen, damit nichts zwischen ihnen zerbrechen kann.

Dabei bemerken wir kaum, dass wir die ganze Zeit allein auf dieser Brücke stehen.

Dass wir diejenigen sind, die Risse überdecken, während auf der anderen Seite längst niemand mehr einen Schritt auf uns zugeht.

Und trotzdem bleiben wir.

Weil wir uns erinnern, wie es einmal war.

An die ersten Schritte aufeinander zu. An das Gefühl, dass uns jemand entgegenkommt, ohne dass wir darum bitten müssen. An all die Pläne, die wir wie kleine Lichter am anderen Ufer aufgestellt haben.

Wir schauen so lange dorthin, bis wir vergessen, auf den Boden unter unseren eigenen Füßen zu achten.

Und irgendwann beginnen wir, uns selbst kleiner zu machen.

Wir werden leiser, damit nichts ins Wanken gerät. Verschweigen, was uns verletzt, damit kein weiterer Riss entsteht. Lernen, mit immer weniger auszukommen, und nennen es Liebe.

Bis wir eines Tages feststellen, dass von dem Menschen, der wir einmal waren, kaum noch etwas übrig ist.

Das Traurigste an solchen Beziehungen ist, wie unbemerkt wir darin verschwinden.

Wie wir unsere Wünsche zurückstellen, unsere Grenzen verschieben und uns Stück für Stück von uns selbst entfernen, während wir versuchen, einem anderen Menschen nahe zu bleiben.

Wir dürfen jemanden vermissen, ohne zurückzukehren.

Es braucht Mut, eine Brücke zu verlassen, in die wir so viel von uns hineingebaut haben.

Denn auch mit Liebe im Herzen können wir gehen.

Wir dürfen jemanden vermissen, ohne zurückzukehren.

Wir dürfen um eine gemeinsame Zukunft trauern, die niemals stattfinden wird.

Und wir dürfen erkennen, dass der Verlust eines Menschen auch das Ende einer Zeit bedeuten kann, in der wir uns selbst immer wieder aufgegeben haben.

Eines Tages werden wir zurückblicken und verstehen, wie viel Kraft es gekostet hat, diese Brücke allein zu tragen.

Wie lange wir auf jemanden gewartet haben, der uns längst entgegenkommen müsste.

Und wie viel von unserem eigenen Leben auf der anderen Seite liegen geblieben ist.

Dann setzen wir einen Fuß vor den anderen.

Mit der Traurigkeit über das, was wir zurücklassen.

Mit der Liebe, die noch immer in uns wohnt.

Und mit der Gewissheit, dass wir wieder einen Weg gehen dürfen, auf dem wir uns selbst begegnen.

Denn jeder Abschied verändert etwas in uns.

Und dieser führt uns zurück zu dem Menschen, den wir auf dem Weg zu einem anderen beinahe verloren hätten.

Zu uns selbst.

– Jenson

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